Geplante LNG Terminals: An Land und auf dem Wasser

Die Gasversorgungskrise in Deutschland hält an. Deshalb stehen Planung und Bau von LNG-Terminals im Fokus. Um die Abhängigkeit vor allem von russischem Gas noch schneller zu beenden, plant Wirtschaftsminister Robert Habeck nun, vier mobile LNG-Terminals anzumieten, bis die geplanten stationären LNG-Terminals realisiert sind.

LNG-Terminals als Anlaufstelle für LNG-Tankschiffe

Die Entwickler der Terminals, die verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) von LNG-Tankern verarbeiten und für den heimischen Bedarf verfügbar machen, präparieren sich zunehmend auch für den künftigen Import von grünem Gas auf Basis erneuerbarer Energien. „H2-ready“ ist eine wesentliche Voraussetzung für Planung und Genehmigung, damit die Projekte im Rahmen einer internationalen Wasserstoffwirtschaft eine strategische Investition in den Klimaschutz für Deutschland werden können.

Mobile LNG-Terminals sollen kurzfristig stationären Hubs vorangehen

Deutschland verbraucht pro Jahr rund 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas, rund die Hälfte davon kommt aus Russland. Jedes der zunächst geplanten schwimmenden LNG-Spezialschiffe, sogenannte FSRUs (Floating Storage and Regasification Units), könnte mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Gas jährlich verfügbar machen. Damit könnte die Flotte insgesamt mindestens 20 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung stellen und somit einen erheblichen Teil der russischen Gaslieferungen ersetzen. Brunsbüttel und Wilhelmshaven stehen als Standorte dafür wohl fest, weitere wie Stade, Hamburg oder Rostock sind im Gespräch.

Dafür müssen die Infrastrukturen in den jeweiligen Häfen angepasst und Anbindungsleitungen ausgebaut werden. In den FSRUs wird das per Schiff angelieferte LNG wieder in einen gasförmigen Zustand gebracht, um es dann ins Gasnetz einzuspeisen – gleiches tun die stationären LNG-Terminals an Land. Während die FSRUs kurzfristig zur Verfügung stehen sollen, ist geplant, sie langfristig von stationären LNG-Terminals in Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade abzulösen. Die Bundesnetzagentur befasst sich mit der Anbindung der Terminals an das Gasnetz.

Brunsbüttel: Antrag auf Beschleunigung – Anlage soll früher an den Start gehen

Der Landtag in Kiel hat für Brunsbüttel bereits eine Beschleunigung des Vorhabens auf den Weg gebracht, um schneller mit dem Bau des schwimmenden LNG-Terminals am Hafen in der Elbmündung beginnen zu können. Ohne diesen Antrag könnte das Terminal erst 2027 oder 2028 an den Start gehen und seine Arbeit aufnehmen. Wird die Beschleunigung des Vorhabens verabschiedet, dann fällt der Startschuss bereits 2024. Schleswig-Holstein will seine LNG-Importstrukturen dafür so schnell wie möglich ausbauen.

Gebaut werden soll in Brunsbüttel ein kombiniertes Import- und Distributionsterminal für LNG. Die Planungen gehen dabei von einer jährlichen Durchsatzkapazität von acht Milliarden Kubikmeter Erdgas aus. Das Terminal wird aus zwei Tanks à 165.000 Kubikmeter für die Zwischenspeicherung von LNG, zwei Anlegemöglichkeiten für LNG-Carrier (bis zur Größe QMax) und kleinere LNG-Schiffe sowie Anlagen zum Löschen und Beladen der Schiffe bestehen. Hinzu kommen Regasifizierungsanlagen für Rückwandlung des Flüssiggases in einen gasförmigen Aggregatzustand und die nachfolgende Einspeisung in das deutsche Hochdruck-Eerdgasnetz sowie Anlagen zur Verladung auf Tanklastwagen, Eisenbahnkesselwagen und LNG-Bunkerschiffe für die Distribution.

LNG-Terminal Planungen für Brunsbüttel

So sieht der Planungsstand für das LNG-Import- und Distributionsterminal in Brunsbüttel aus. Geplant sind unter anderem zwei LNG-Tanks und zwei Anlegemöglichkeiten für Schiffe. 
Bild: © German LNG Terminal GmbH

LNG hat Schlüsselrolle bei der Energiewende

German LNG Terminal GmbH, die den Bau und Betrieb plant, und Shell haben im März ein Memorandum of Understanding für den Import von LNG über das Terminal in Brunsbüttel unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass Shell einen substanziellen Teil der Kapazität in Brunsbüttel für den Import von LNG langfristig bucht. Beide Seiten arbeiten derzeit daran, Umfang und Dauer der Partnerschaft möglichst schnell vertraglich bindend zu vereinbaren.

Dr. Fabian Ziegler, Geschäftsführer von Shell in Deutschland sagt, die Vereinbarung sei ein wichtiger Schritt, um kurzfristig die Versorgung in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa sicherstellen zu können. „Mit LNG tragen wir zur Deckung des Energiebedarfs und zur Begrenzung der CO2-Emissionen bei – ein wesentlicher Faktor bei der Energiewende“, betont Ziegler. Zudem solle zukünftig das Terminal auch auf Wasserstoff oder Wasserstoffderivate wie Ammoniak umgerüstet werden können. Das erste LNG-Schiff in Brunsbüttel könnte laut Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günter bereits Anfang 2023 startklar sein.

Niedersachsen: LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Stade

Auch in Niedersachsen sollen in Wilhelmshaven und Stade neue Energy-Hubs entstehen. Noch im Mai 2022 soll der Bau in Wilhelmshaven beginnen, Anfang 2023 soll bestenfalls das erste mit LNG beladene Schiff anlanden. Belgische Investoren planen das Terminal, mit dem rund zehn Prozent des deutschen Energiebedarfs gedeckt werden soll, wenn es fertiggestellt und voll ausgelastet ist. Das stationäre Terminal entsteht in der Nähe des Tiefseewasserhafens Jade-Weser-Port. Dort gibt es bereits einen zwei Kilometer langen Anleger. Dieser wird nun ertüchtigt, damit dort kurzfristig eine schwimmende Anlande- und Speicherplattform für LNG festmachen kann. Das wäre die erste FSRU in Deutschland. Geht alles gut, soll sie bereits Ende dieses Jahres ans Netz gehen können. Damit würde die Stadt an der Nordseeküste der erste Knotenpunkt für die angestrebten LNG-Lieferungen auf deutschem Boden werden.

LNG-Terminal Wilhelmshaven

Erster Rammschlag für das LNG-Terminal im Jade-Weser-Port.
Foto: Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung e. V.

Bereits mit Beginn des Jahres 2023 sollen in Wilhelmshaven rund neun Milliarden Kubikmeter Gas über das Terminal bezogen werden. Uniper will das erste deutsche FSRU betreiben. Und da der Düsseldorfer Energiekonzern einen Erdgasspeicher im 28 Kilometer entfernten Etzel betreibt und dort ebenfalls Erdgasübertragungsleitungen liegen, ist auch gleich eine Pipeline mit geplant.

Open Grid Europe errichtet die Leitung, um das in Wilhelmshaven produzierte Gas nach Etzel zu bringen. Bis Ende des Jahres 2022 soll die Anbindungsleitung mit einer Länge von ca. 26 Kilometern und einem Durchmesser von einem Meter (DN 1000) und einer jährlichen Kapazität von anfangs 10 Milliarden Kubikmeter stehen. Endpunkt ist die Fernleitung NETRA in der Nähe des Gasspeichers in Etzel. Mit dem Anschluss an die NETRA können Gasmengen von der Nordseeküste in den Süden und Osten Deutschlands transportiert werden, um dort perspektivisch Mengen aus russischen Importen zu ersetzen. Die Leitung wird so errichtet, dass sie zukünftig auf Wasserstoff umgestellt werden kann.

LNG-Terminal mit Verbindung zum Erdgasspeicher

Die von OGE geplante Anbindungsleitung an das Fernleitungsnetz bis Ende 2022.
Grafik: Open Grid Europe GmbH

1.200 Arbeitsplätze sollen mit dem neuen Terminal in Wilhelmshaven entstehen. „Für unsere Region ist der Strukturwandel eine der Mammutaufgaben der kommenden Jahre, verbunden mit großen Chancen“, sagt Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist. Derzeit sichern zwei Kohlekraftwerke Arbeitsplätze und wirtschaftliche Lebensgrundlage in der Region. Das neue LNG-Terminal bietet also eine Perspektive auch in der Hinsicht für die Zeit nach dem Kohleausstieg.

Wilhelmshaven soll eine „Drehscheibe für saubere Energie für Deutschland“ werden – so steht es in einer Absichtserklärung, die der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies und Bundesumweltminister Habeck unterzeichnet haben. Dort wird festgehalten, dass Wilhelmshaven mit einer Infrastruktur an Land für die Anlandung, Verarbeitung und Weiterleitung von grünen Gasen wie etwa Wasserstoff zur Verfügung stehe.

Jährlich drei Milliarden Kubikmeter LNG aus Stade

In Stade laufen die Planungen für einen LNG-Terminal der Hanseatic Energy Hub GmbH. Dafür haben sich der Hafen- und Schifffahrtslogistiker Buss Group, der belgische Pipeline-Betreiber Fluxys und die Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Partners Group zusammengeschlossen, und beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg den Antrag auf Genehmigung eines LNG-Terminals am Standort Stade eingereicht. Beteiligt ist auch der US-Chemiekonzern Dow, der in Stade ein großes Werk betreibt. Ende März unterzeichnete der Versorger EnBW bereits eine Absichtserklärung für den Import von drei Milliarden Kubikmeter LNG jährlich über die Anlage im niedersächsischen Stade.

Nach LNG kommt Wasserstoff: Terminals sollen auch langfristig zukunftssicher sein

Angesichts der Kritik einzelner Umweltverbände am Bau der LNG-Terminals weist die Politik besonders auf die langfristige Bedeutung der Projekte für den Klimaschutz hin: Perspektivisch sollen die geplanten Importterminals auch zum Aufbau einer Infrastruktur für Wasserstoff beitragen. Die Möglichkeit zusätzlich CO2-arme Energieträger – sowohl in Reinform als auch in Form von Wasserstoffderivaten wie beispielsweise Ammoniak – zu importieren, würde das Ziel der Klimaneutralität unterstützen. „LNG ist eine Brückentechnologie, weshalb wir die Einrichtungen so errichten sollten, dass dort ein Multi-Energie-Terminal entsteht, so dass wir auch für Wasserstoff bereit sind, weil wir mit der Energiewende in diesem Land anderes wollen als LNG“, sagt CDU-Wirtschaftspolitiker Lukas Kilian aus Schleswig-Holstein.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.