Freistaat setzt auf Wasserstoff: Roadmap für Bayern vorgestellt

Das Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B) hat eine Roadmap zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft im Freistaat veröffentlicht. Darin werden insbesondere der rasch wachsende Bedarf nach CO2-neutralem Wasserstoff sowie die notwendige Pipeline-Infrastruktur kalkuliert.

Wasserstoff-Roadmap für Bayern

Ein künftig deutlich verstärkter Einsatz klimaschonenden Wasserstoffs ist unbestritten ein wichtiger Baustein für die Energiewende in Deutschland. Folgerichtig werden beispielsweise vielerorts bereits Elektrolyseure betrieben, gebaut und geplant, in denen der Energieträger mittels erneuerbarem Strom CO2-neutral gewonnen werden kann.

Klimaneutrales Bayern bis 2040? Nicht ohne Wasserstoff

Auch im Süden der Republik soll diese Entwicklung weiter vorangetrieben werden. Schließlich hat Bayern sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bereits bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein – und verfolgt damit einen ambitionierteren Pfad als der Bund oder die Europäische Union. Im Zuge dessen wurde am 25. April die Wasserstoff-Roadmap für Bayern mit Perspektiven und Handlungsempfehlungen zum Hochlauf der freistaatlichen Wasserstoffwirtschaft vorgestellt.

Verdopplung des Wasserstoffverbrauchs bis 2030

Die 32-seitige Veröffentlichung des H2.B entstand in einem mehrmonatigen Analyse- und Konsultationsprozess von Anfang 2021 bis Anfang 2022 unter Einbeziehung des Wasserstoffbündnis Bayern. Präsentiert wurde die Roadmap von den H2.B-Vorständen Prof. Dr. Veronika Grimm und Prof. Dr. Peter Wasserscheid im Deutschen Museum Nürnberg. Die Autoren der neuen Analyse gehen bis 2030 von einer Verdoppelung des Wasserstoffverbrauchs von heute fünf auf zehn Terawattstunden (TWh) aus. Bis 2040 könnte der kumulierte Bedarf von Wasserstoff und Syntheseprodukten wie alternativen Fuels Bayern auf etwa 33 bis 75 TWh in 2040 steigen.

Anbindung an Wasserstoff-Infrastruktur entscheidend

Die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zeigen: Bayern wird langfristig auf die Lieferung von Wasserstoff und dessen Derivate aus den norddeutschen Bundesländern und dem süd- bzw. dem südosteuropäischen Raum angewiesen sein. Wichtig sei daher ein rascher Anschluss des Freistaats an die (inter-)nationale Wasserstoffpipeline-Infrastruktur, dem sogenannte europäische H2-Backbonenetz. Zunächst war dies erst um 2035 geplant. Inzwischen gilt ein beschleunigter Anschluss bis 2030 als erforderlich, um eine grundlastfähige Versorgung sicherzustellen

Zügiger Aufbau eigener Elektrolyseleistung dringend notwendig

Die notwendige Elektrolyseleistung zur Herstellung von Wasserstoff in Bayern ist stark abhängig von der Geschwindigkeit des Anschlusses an solche Pipelines. Bis 2025 sollen in Bayern mindestens 300 Megawatt (MW) Elektrolyseleistung installiert werden, bis 2030 mindestens ein Gigawatt (GW) Elektrolysekapazität, um den zusätzlichen Wasserstoffbedarf decken zu können. Kommt der Anschluss erst 2035, sind nach den Berechnungen drei bis zehn GW erforderlich.

Einsatz von Wasserstoff im Mobilitätssektor wird bis 2030 zunehmen

Zugleich wird sich laut der Roadmap in den kommenden Jahren auch die Verwendung von Wasserstoff verstärken. Diesbezüglich heißt es in der Veröffentlichung:

  • Bis 2025 sollen 500 Wasserstoffbusse im Öffentlichen Personennahverkehr Bayerns fahren und es sollen 500 H2-Lkw zum Einsatz kommen.
  • Bis 2025 wird zudem eine weitflächige Etablierung von Wasserstofftankstellen angestrebt.
  • Bis 2030 wird ein breiter Einsatz von Wasserstoff zur Prozesswärmebereitstellung in der bayerischen Industrie erwartet.
  • Zudem wird bis 2030 mit einem flächendeckenden Einsatz von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Wasserstoffbasis für die dezentrale Strom- und Wärmeversorgung gerechnet.

Minister Aiwanger: Wasserstoff wichtigster Energieträger der nahen Zukunft

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bezeichnete die Wasserstoff-Roadmap bei der Präsentation in Nürnberg als einen „hervorragenden Impuls für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft”. Der Staatsminister hatte das H2.B vor drei Jahren gegründet und die Bayerische Wasserstoffstrategie 2020 initiiert. „Wasserstoff ist der wichtigste Energieträger der nahen Zukunft. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine müssen wir noch mehr Tempo machen, um unsere Wirtschaft und den Verkehr auf Wasserstoff umzustellen.“

Nach Einschätzung der Experten ist die Transformation der globalen Volkswirtschaften hin zur Klimaneutralität mit großen Chancen für die exportorientierte bayerische Wirtschaft verbunden. Aktuelle Stärken liegen demnach bei Anlagen zur Wasserstofferzeugung, der Herstellung von Armaturen und Verbindungselementen sowie Systemen zur Wasserstofflogistik. Besonders im Bereich der Elektrolysetechnologie und der (chemischen) Wasserstoffspeicherung (LOHC) und -konversion sei Bayern sehr gut aufgestellt. Diese gute Position solle weiter gestärkt und ausgebaut werden.

„Die Wasserstoff-Roadmap Bayern zeigt wichtige Meilensteine auf, die eher eine Untergrenze für das notwendige Tempo des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft sind“, unterstreicht Veronika Grimm. „Besonders entscheidend ist die schnellstmögliche Anbindung Bayerns an eine belastbare Wasserstoffinfrastruktur.“

1 Kommentar

  1. Klaus Hesse

    Zügiger Aufbau eigener Elektrolyseleistung dringend notwendig Nein, nicht nötig!

    H2 aus Biomasse/Abfall sofort ohne Grünen Strom zu benötigen herstellbar.

    Fallfilm Elektrolyse Wirkungsgrad ca.: >94%

    Bio Wasserstoff aus Abfall Biomasse H2 wird 24 Stunden am Tag hergestellt, Einspeisung in das ehemalige Erdgasnetz, Kaltgaswirkungsgrad von über 83%

    Kosten: 50MW H2-Erzeugungswerk ca.: 30 Millionen € Serienmodel, Vorserienmodel 70 Millionen € ca.:10 Tonnen Trockenmasse pro Stunde nötig

    Kosten: 500MW H2-Erzeugungswerk ca.: 120 Millionen € Serienmodel

    An Hafenstandorten auch 5 GW Modell möglich ca. 500 Millionen €

    Zum Biowasserstoff aus der kaskadierten Umsetzung wird davon ausgegangen, dass etwa 5 % des Kohlenstoffes in der Biomasse nicht umgesetzt werden sondern mit der Asche ausgeschleust, und wieder auf den Acker gebracht werden. Diese 5 % sind ca. 25 kg Kohlenstoff je Tonne Biomasse ( 50 MW Kraftwerk 10 Tonnen Biomasse pro Stunde) absolut trocken. Bei 110 kg H2-Produktion je Tonne trockener Biomasse sind das also ca. 223 g Kohlenstoff je kg Wasserstoff also gut 800 g CO2 die dauerhaft fixiert werden. Wird noch die CO2-Verpressung in Salzaquiferen durchgeführt, sind es insgesamt 4,5 kg Kohlenstoff je kg Wasserstoff oder auf die kWh gerechnet 110 g Kohlenstoff bzw. 423 g CO2 die eingespart werden. Beim aktuellen Strommix ca. 500 g CO2 je kWh sind es für den benötigten Strom 42,5 g je kWh die davon abgezogen werden müssten also ein negativer Fußabdruckvon 380,5 g je kWh oder nur Koks ein CO2-Fußabdruck von 22,5 g/kWh Elektrolysewasserstoff hätte einen CO2-Fußabdruck von 714 g/kWh, wird aber mit 0 g oder allenfalls mit 10 g Wind bzw. 5,7 g Wasserkraft bewertet, Wasserstoff aus Erdgas kommt auf 210 g bis 260 g.

    Es zeigt sich, dass Biowasserstoff aus der kaskadierten Umsetzung mit 900 g CO2 je kg Wasserstoff auf jeden Fall eine wesentlich bessere CO2 Reduzierung ergibt!

    Zu lesen: https://www.wasserstoff-unsere-zukunft.de/news-einzelansicht/energiebereitstellungsmoeglichkeiten-heute-und-morgen-kosten-nutzen-zukunft-bio-wasserstoff.html

    https://www.bio-wasserstoff.de/html/h2-herstellung.html

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