H2Global: Impulsgeber für eine weltweite PtX-Wertschöpfungskette

Das mit 900 Millionen Euro Bundesmitteln ausgestatte Förderkonzept H2Global soll Unternehmen motivieren, in die Herstellung von grünem Wasserstoff im Ausland einzusteigen. Die vorzugsweise mit deutscher Technologie auf Basis von grünem Wasserstoff erzeugten Power-to-X-Produkte wie Ammoniak, Methanol und nachhaltiges Kerosin sowie auch synthetisches Rohöl sollen nach Europa importiert und dort meistbietend verkauft werden. In diesem Jahr sollen die ersten Abnahmeverträge geschlossen werden. Erste Lieferungen sind für das Jahr 2024 geplant. Verantwortlich für die Umsetzung des Förderkonzepts ist die von deutschen Unternehmen gegründete H2Global-Stiftung.

H2Global für eine weltweite PtX-Wertschöpfungskette

Anreiz für erste industrielle Wasserstoff-Energie-Exportprojekte

Für 2022 hat die Ampelkoalition von SPD, Grüne und FDP ein „ambitioniertes Update“ der Nationalen Wasserstoffstrategie angekündigt. So soll die installierte Elektrolyseleistung im Jahr 2030 zehn statt fünf Gigawatt betragen, um einen größeren Anteil des dann erwarteten inländischen Bedarfs von bis zu 110 Terrawattstunden (laut Nationaler Wasserstoffstrategie von Juni 2020) decken zu können. Dass Deutschland in erheblichen Umfang auf Wasserstoffimporte angewiesen sein wird, anerkennt auch die neue Regierungskoalition. Dazu sind laut Wasserstoffstrategie Energie- bzw. Lieferpartnerschaften mit Drittstaaten wichtig, vor allem aber auch Investitionsanreize für die Wirtschaft in der frühen Phase der Marktbildung.

Das Förderinstrument H2Global zielt genau darauf ab. Es soll investitionsbereiten Unternehmenskonsortien mehr Planungs- und Investitionssicherheit geben. Federführend ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK): „Wir werden zukünftig einen hohen Bedarf an grünem Wasserstoff haben und neben der Produktion in Deutschland auch Importe benötigen. Daher starten wir bereits jetzt den internationalen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und bauen über das Instrument H2Global langfristige Wertschöpfungs- und Lieferketten auf“, so Bundesminister Robert Habeck.

H2Global bringt Produzenten und Abnehmer von grünem Wasserstoff zusammen

H2Global ist ein marktwirtschaftlich orientiertes Förderinstrument. In der Startphase soll eine staatlich gelenkte Nachfrage nach grünem Wasserstoff geschaffen werden, um potenzielle Wasserstoffproduzenten in Ländern mit großem Potenzial für eine günstige Ökostromerzeugung zu motivieren, in Anlagentechnik für Erzeugung und Weiterverarbeitung von Wasserstoff sowie für die Speicherung und den Transport wasserstoffbasierter Produkte zu investieren. Gleichzeitig soll das Förderinstrument dazu beitragen, Deutschland als führenden Standort für Wasserstofftechnologie weiterzuentwickeln.

Mittels H2Global sollen einerseits langfristige Abnahmeverträge mit Produzenten von grünem Wasserstoff oder Wasserstofffolgeprodukten und andererseits kurzfristige Wiederverkaufsverträge mit Verbrauchern aus Industrie-, Transport- und Energiesektor geschlossen werden. Die Differenz zwischen Angebots- und Verkaufspreis gleicht der Bund aus. Die hierfür vom BMWK bewilligten Fördermittel in Höhe von 900 Millionen Euro sind noch von der alten Bundesregierung beschlossen und zwischenzeitlich von der EU-Kommission beihilferechtlich genehmigt worden. Die Förderung durch H2-Global beschränkt sich auf die Produktion von grünem Wasserstoff und Folgeprodukten, sie umfasst nicht die Investition in die Anlage.

Das Doppelauktionsmodell

Kernidee des H2Global-Förderinstrumensts ist laut Pressemitteilung des BMWK ein „Doppelauktionsmodell“. Über ein wettbewerbliches Verfahren werden Wasserstoff oder seine Folgeprodukte in Nicht-EU-Ländern zum geringstmöglichen Preis mit 10-Jahres-Verträgen eingekauft. Dazu tritt die Hydrogen Intermediary Network Company (HINT.CO), ein Unternehmen der H2Global-Stiftung, als nichtstaatlicher Intermediär auf den Plan. Sie generiert über die Auktion unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien weltweit oder in einer bestimmten Region das beste/günstigste Angebot für eine bestimmte Menge an grünem Wasserstoff bzw. einem Derivat und schließt Abnahmeverträge (Hydrogen Purchase Agreements – HPA) einschließlich der Lieferung nach Deutschland ab.

Im nächsten Schritt verkauft die HINT.CO die Produkte mittels „kurzfristiger Auktionen zum höchstmöglichen Preis an deutsche und europäische Unternehmen, die ihre Dekarbonisierung damit vorantreiben können“, so das BMWK. Dazu schließt HINT.CO kürzer laufende Verkaufsverträge (Hydrogen Service Agreements – HSA) mit den Abnehmern.

H2Global Prinzip des Fördermodells

Differenzkosten – Absehbare Verluste gleicht der Bund aus

Die Produktion und der Transport von grünem Wasserstoff sind derzeit teuer. Daher wird die HINT.CO im Einkauf mehr zahlen als sie durch den Verkauf einnehmen kann. Die zu erwartenden Verluste sollen durch Bundeszuwendungen für maximal 10 Jahre ausgeglichen werden. Über die Zeit würden sich die Verluste reduzieren, „da die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Energieträger absehbar steigen wird“, prognostiziert das BMWK. Auch die H2Global-Stifung rechnet damit, dank kurzfristiger Verkaufsverträge von den zu erwartenden Marktpreissteigerungen für grünen Wasserstoff und PtX-Produkte profitieren zu können. Die zum Ausgleich der Preisdifferenz erforderlichen Mittel würden daher im Laufe des Förderzeitraums sinken.

Die im Juni 2021 privatwirtschaftlich gegründete H2Global-Stiftung mit Sitz in Hamburg selbst erhält kein Geld vom Bund, sie wird von derzeit 23 Unternehmen getragen. Dazu zählen etwa Air Liquide, Linde, Deutsche Bank, Salzgitter AG Thyssenkrupp, Salzgitter AG, Nordex, MAN Energy Solutions, Siemens Energy sowie die Energiekonzerne Uniper und Engie. Der Stifterkreis soll weiterwachsen – wenn es nach H2Global-Geschäftsführer Markus Exenberger geht, auf insgesamt 50 bis 70 Unternehmen.

„Der H2Global-Ansatz wird es uns ermöglichen, die Märkte schnell hochzufahren.“

Markus Exenberger

Geschäftsführer, H2Global

Erste Lieferung von grünen PtX-Produkten frühestens 2024

Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass noch im laufenden Jahr die ersten Abnahmeverträge im Rahmen des H2Global-Förderinstruments geschlossen werden. Die ersten Lieferungen von nachhaltigen Energieträgern auf Wasserstoffbasis sind für das Jahr 2024 geplant. Ob das tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten. Denn für potenzielle Anbieter sowie Abnehmer stellen sich eine Reihe von Fragen und Unsicherheiten, die ihren Grund unter anderen in fehlenden, unklaren oder erschwerenden regulatorischen Rahmenbedingungen haben, wie eine Unternehmensbefragung des BMWK unter deutschen Akteuren von Nov/Dez 2021 zeigt.

Marktakteure mahnen klare Rahmenbedingungen an

Die meistgenannten Hinderniskategorien für einen zeitnahen Lieferbeginn sind danach regulatorische Unklarheit – vor allem hinsichtlich der Definition und Zertifizierung von Wasserstoff und Derivaten, der Lieferkriterien und Anrechenbarkeit (EU-Nachhaltigkeitskriterien, RED III) – sowie langwierige Genehmigungsprozesse im Aus- und Inland. Mehr regulatorische Sicherheit sei besonders wichtig, da sie die finale Entscheidung sowohl Projektdesigns als auch die Rentabilität der Projekte beeinflusse.

Die Anzahl und Komplexität der vorgeschlagenen Förderkriterien im H2-Global-Vergabeprozess (u.a. Strombezug, THG-Bilanzierung, Kohlenstoffquelle, lokale Wertschöpfung) bewerten Teile der befragten Unternehmen als potenzielles Hemmnis für den Markthochlauf bzw. für das Erreichen der Mengenziele (höhere Kosten für PtX-Produkte). Als weitere Hürden werden technologische Hindernisse (etwa Verfügbarkeit von Kernkomponenten für Anlagen) sowie offene Fragen bei der nötigen Infrastruktur angeführt. Dazu zählen laut Umfrage vor allem mangelnde Export- und Importhäfen, nicht etablierte Transportrouten sowie Unklarheiten rund um mögliche Transportmittel.

Mehrheit der Unternehmen will grünen Wasserstoff

In der Umfrage erwarten die Unternehmen einen Lieferbeginn für grüne PtX-Produkte wie Wasserstoff, Ammoniak, Methanol und Kerosin zwischen 2024 und 2027. Mit rund 65 Prozent der Rückmeldungen erwarten die meisten Unternehmen einen Lieferbeginn bis einschließlich 2025. Obwohl der Fokus von H2Global zunächst auf den drei grünen PtX-Produkten Ammoniak, Methanol und Kerosin liegen soll, sind auf Abnehmerseite die meisten Unternehmen an Wasserstoff interessiert. Im Falle nur geringer betrieblicher Umstellungen könnte die Abnahme bereits heute starten.

Die PtX-Produkte Methanol und Ammoniak könnten laut Umfrage ebenfalls sofort abgenommen werden.
Die aus der Konsultation gewonnenen Erkenntnisse des zukünftig möglichen Angebots und Bedarfs an grünen Wasserstoff und PtX-Produkten sollen laut BMWK in die Ausgestaltung eines marktgerechten Förderkonzepts im Rahmen von H2Global einfließen. Außerdem ist eine vergleichbare Konsultation ausländischer Akteure geplant.

H2Global adressiert wichtige Ziele der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS)

  • Unterstützung des globalen Markthochlaufs
  • Skalierung und Kostensenkung der Produktion von grünem Wasserstoff und dessen Folgeprodukten
  • Stimulation langfristiger marktwirtschaftlicher Nachfrage nach grünem Wasserstoff und dessen Folgeprodukten in Deutschland
  • Etablierung von Wasserstofflieferketten nach Deutschland

Das Förderinstrument H2Global ist Teil der Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie.
Entwickelt haben das Konzept Markus Exenberger, Geschäftsführer der H2Global-Stiftung und Timo Bollerhey, Geschäftsführer des Intermediärs HINT.CO GmbH gemeinsam mit Experten des Bundeswirtschaftsministeriums, der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie Verbänden wie dem Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV).

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