„Der Antriebsmix der Zukunft berücksichtigt auch alternative Kraftstoffe“

Ein Meinungsbeitrag zum Antriebsmix von Prof. Barbara Lenz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Prof. Lenz ist Verkehrswissenschaftlerin und Leiterin der Arbeitsgruppe 2 Alternative Antriebe und Kraftstoffe für nachhaltige Mobilität der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM).

Prof. Barbara Lenz Antriebsmix Schwerlast, Flug, Container

Mit dem technologieoffenen Einsatz von Antrieben und Kraftstoffen wie Elektromobilität, Wasserstoff und Brennstoffzelle sowie synthetischen Kraftstoffen können wir der Erreichung der Klimaziele 2030 zumindest sehr viel näherkommen. Alle drei Optionen können die CO2-Emissionen im Verkehr deutlich verringern.

Langfristig tragfähige und wirksame Lösungen zur CO2-Minderung sind nur durch ein Zusammenspiel der verschiedenen Technologien zu bewerkstelligen. Wir brauchen einen intelligenten Antriebs- und Kraftstoffmix. Intelligent bedeutet, dass die Emissionen gesenkt werden, aber gleichzeitig die sehr unterschiedlichen Anforderungen an flexible und leistungsstarke Verkehrsmittel erfüllt werden können. Denn Antriebsstränge und Kraftstoffe müssen zu den Einsatzzwecken und Nutzungsmustern von Fahrzeugen und Fahrzeugflotten passen, um das CO2-Minderungspotenzial weitmöglichst auszuschöpfen.

Straßenverkehr braucht Antriebsmix 

Rund 95 Prozent der Emissionen des Verkehrssektors entstehen im Straßenverkehr mit Pkw, Lkw und anderen Nutzfahrzeugen. Der Fahrzeugbestand dort fährt größtenteils mit Verbrennungsmotoren. Diese Antriebsform wird auch in den kommenden Jahren einen hohen Marktanteil behalten, denn eine durchgängige Flottenerneuerung ist bei derzeit knapp 48 Millionen Pkw und 3,5 Millionen Lkw eine Frage von Jahrzehnten.

Ein zugelassenes Fahrzeug bleibt jahrelang im Einsatz – derzeit sind beispielsweise mehr als 40 Prozent der Pkw in Deutschland 10 Jahre alt oder älter. Bei Neuwagen ist deshalb der zügige Hochlauf der Elektromobilität mit Batterien und Brennstoffzellen entscheidend. In der Bestandsflotte bieten synthetische Kraftstoffe eine sinnvolle Ergänzung, insbesondere im Schwerlastverkehr. Auch alternative Kraftstoffe aus fossilen Quellen wie Erdgas (CNG/LNG) oder konventionell erzeugter Wasserstoff sowie Gas-to-Liquid-Kraftstoffe (GtL) werden als Übergangsoptionen kontrovers diskutiert.

Nach heutigem Erkenntnisstand werden alternative Antriebe und Kraftstoffe nicht ausreichen, um die Klimaziele 2030 im Verkehr vollständig zu erfüllen. Ohne strukturelle Veränderungen, die den öffentlichen Personenverkehr stärken und damit verbunden den Rad- und Fußverkehr fördern, wird es nicht gehen. Im Güterverkehr muss zudem der Anteil von Schiene und Binnenschifffahrt erhöht werden. Und wir alle müssen unser Mobilitätsverhalten stärker an den Erfordernissen des Klima- und Umweltschutzes ausrichten.

 

Quelle: raffiniert 3|2020

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