Bayerische Wirtschaft: vbw spricht sich für synthetische Kraft- und Brennstoffe aus

Die Vereinigung der Bayerische Wirtschaft (vbw) sieht synthetische Kraft- und Brennstoffe als Bausteine einer klimaneutralen Industriegesellschaft. Sie könnten einen großen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten und dabei helfen, die Lücke zwischen regenerativ erzeugtem Strom und dem Primärenergiebedarf in allen Sektoren zu schließen. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier der vbw hervor.

Collage synthetische Fuels - vbw Bayerische Wirtschaft

Unter den Begriff der synthetischen Kraft- und Brennstoffe fallen nach der Definition der vbw künstlich hergestellte Gase oder flüssige Kohlenwasserstoffe auf Basis von Strom aus erneuerbaren Energien, also sogenannte Power-to-X (PtX)-Produkte. Die Vorzüge dieser Energieträger lägen vor allem darin, dass die vorhandene Infrastruktur sowie vorhandene Geräte, Anlagen und Fahrzeuge klimaneutral weitergenutzt werden könnten. So seien deutliche Verbesserungen auch im Bestand möglich.

Synthetische Kraft- und Brennstoffe auch in Mobilität und Wärmemarkt

„Synthetische Kraft- und Brennstoffe spielen etwa für einen klimafreundlichen Luftverkehr und im gesamten Mobilitätssektor eine Schlüsselrolle, wo die ehrgeizigen CO2-Minderungsziele mit E-Mobilität allein nicht realistisch erreichbar sind. Darüber hinaus sind synthetische Kraft- und Brennstoffe aber auch für industrielle Anwendungen und den Wärmebereich von großer Bedeutung, da diese auch nach Ausschöpfen aller Effizienzpotenziale weiterhin flüssige oder gasförmige Energieträger als Rohstoff, Reduktionsmittel oder Brennstoff benötigen“, heißt es in der vbw-Publikation.

Positionspapier: Industrielle Herstellung muss wettbewerbsfähig werden

Durchaus kritisch eingeschätzt wird von den bayerischen Wirtschaftsvertretern dabei die aktuelle Ausgangslage: Die industrielle Herstellung synthetischer Kraft- und Brennstoffe befindet sich derzeit noch im Entwicklungsstadium und ist mit fossilen Energieträgern preislich nicht wettbewerbsfähig. Wirtschaftlich konkurrenzfähig könne sie nur dann sein, wenn preisgünstiger grüner Strom in großen Mengen zur Verfügung steht, die Herstellung in großtechnischen Anlagen erfolgt und Skaleneffekte durch eine technologieoffene Anwendung in allen Sektoren möglich sind. Wichtig sei daher zunächst, mögliche Nutzungskonkurrenzen aufzulösen.

vbw fordert passende Rahmenbedingungen für Markthochlauf

Die vbw spricht sich daher dafür aus, jetzt geeignete Rahmenbedingungen für Markthochlauf, Investitionen und Skaleneffekte zu schaffen. Hier sei die Politik gefragt. Genannt werden Forschungs- und Förderinitiativen, der Ausbau der erneuerbaren Energien und der notwendigen Infrastrukturen sowie eine Anpassung der Regularien und strategische Partnerschaften mit potentiellen Exportländern. Für einen effizienten Markthochlauf von Power-to-Liquid (PtL) sollte zudem eine Roadmap entwickelt werden, in der die relevanten Maßnahmen und Instrumente aufgeführt, bewertet und in eine zeitliche Abfolge gebracht werden.

Eine zentrale Forderung: Damit klimaneutrale synthetische Kraft- und Brennstoffe im Verkehr marktfähig und attraktiv werden, sollten nach Ansicht der bayerischen Wirtschaftsvertreter alle CO2-armen Energieträger und Technologien gleichermaßen von Steuern, Abgaben und Umlagen befreit werden. PtX-Technologien müssten mit anderen Klimatechnologien in bestehenden Regularien gleichgesetzt werden. Die Beimischung von nachhaltig und erneuerbar erzeugten Kraftstoffen sollte in allen energieträgerbezogenen Regulierungen vollständig anrechenbar sein.

Auch biologische Verfahren weiterverfolgen

Neben „Power-to-X (PtX)-Produkten“sieht das vbw-Papier aber auch in biologische Verfahren wie etwa in der Gewinnung von Brennstoffen aus Algen Potenzial. Hier solle intensiv weiter geforscht werden. Dabei empfehle sich die Beteiligung relevanter Bereiche, wie beispielsweise der Mineralölwirtschaft, der Automobilindustrie, der Chemischen Industrie, des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der öffentlichen Hand.

Positionspapier der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw)

„Synthetische Kraft- und Brennstoffe“ (PDF, 0,5 MB)

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