Energiewende nicht ohne Mineralölkonzerne?

E-Fuels und andere alternative Kraftstoffe könnten einen entscheidenden Beitrag zur Verkehrswende, also zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors leisten – und damit auch zum Erreichen der Klimaziele. Wie diese Kraftstoffe schneller zum Einsatz kommen können, darüber sprachen Adrian Willig, Geschäftsführer des IWO, und der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) im Videocast von DUP Digital Business Talks.

Adrian Willig und Jürgen Trittin im DUP Business Talk

Bildquelle: DUP

Tankstellen wird es auch in Zukunft noch geben. Davon ist Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Mobilität (IWO), überzeugt. „Aber das Produktportfolio wird sich ändern“, so Willig. „Schon heute investieren unsere Mitgliedsunternehmen etwa in den Aufbau von Ladesäulen, in Wasserstoff und alternative Kraftstoffe.“

Denn das Ziel der Bundesregierung ist klar: Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Der Verkehrssektor ist laut Umweltbundesamt hierzulande der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen – nach der Energiewirtschaft und der Industrie. Das Einsparpotenzial bei Emissionen im Straßen-, Luft- und Schiffsverkehr ist entsprechend groß.

Disruptiven Zeiten: der Verkehrswende richtig begegnen

Und um dieses Einsparpotenzial zu heben und die Verkehrswende zu realisieren, werden eben auch weiterhin die Unternehmen der Mineralölwirtschaft gebraucht. „Unsere Branche bekennt sich klar zu den Klimazielen von Paris – und das bedeutet, dass wir schrittweise wegkommen müssen von fossilem Gas und Öl“, betont Willig, der sich darüber im Klaren ist, dass die Branche vor einer riesigen Transformation steht.

„Ob man als Unternehmen solch einen disruptiven Prozess übersteht, hängt davon ab, ob man sich rechtzeitig umstellt“, sagt der Grünen-Politiker Jürgen Trittin im Talk mit Adrian Willig. Der Bundestagsabgeordnete habe durchaus wahrgenommen, dass sich Ölkonzerne bereits seit einiger Zeit mit dem Wandel beschäftigen. Zwei Beispiele stellt Trittin dabei besonders heraus: „BP war schon sehr früh in Systeme des Emissionshandels eingebunden. Und Shell hat bereits vor zwei Jahren die „sonnen“- Gruppe im bayrischen Wipoldsried gekauft.“ Die sonnen GmbH ist ein Anbieter von intelligenten Stromspeichern sowie von innovativen Energiedienstleistungen für Privathaushalte.

Mit Blick auf die Mineralölkonzerne sagt Willig: „Ich bin der Meinung, dass diese Unternehmen auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag zur Energieversorgung leisten können. Denn sie haben Ingenieurs-Know-how, sie sind global vernetzt und sie werden beispielsweise weiterhin für den Import von dann erneuerbarer Energie in flüssiger, gasförmiger oder sonstiger Form gebraucht.“ Denn dass die Klimaziele allein mit heimischem erneuerbarem Strom erreicht werden können – daran glaubt der IWO-Geschäftsführer nicht: „Wir brauchen zusätzliche Optionen wie grünen Wasserstoff, nachhaltige Biokraftstoffe und langfristig auch synthetische strombasierte Produkte, sogenannte E-Fuels.“

Wo muss die Politik nachjustieren?

Damit diese neuen Technologien schneller marktreif werden, müssen allerdings die Rahmenbedingungen vonseiten der Politik stimmen. Und da sieht Willig Nachbesserungsbedarf: „Heute ist zum Beispiel die Energiebesteuerung von Kraftstoffen unabhängig davon, ob sie einen treibhausgasneutralen Kraftstoff verkaufen oder einen fossilen. Das halten wir für falsch.“ Er plädiert daher im Talk mit Trittin für eine „Energiesteuer 2.0, die sich an den fossilen CO2-Emissionen bemisst, so dass jemand, der einen treibhausgasneutralen Kraftstoff herstellen möchte, dann auch einen Anreiz hat“.

Trittin sieht noch einen weiteren Aspekt, der bei der Verkehrswende aktuell hinderlich ist: die Unterschiede bei der Förderung von Verkehrsträgern. „Annalena Baerbock hat gesagt, wir wollen durch eine Verbesserung des Bahnangebots und durch die Beseitigung ungerechtfertigter Subventionen für den Flugverkehr dafür sorgen, dass die Bahn konkurrenzfähiger wird“, so Trittin. „Ich halte diesen marktwirtschaftlichen Ansatz für richtig. Es kann nicht sein, dass klimaschädliches Verhalten mit Steuersubventionen belohnt wird. Es muss Gleichheit für alle Verkehrsträger gelten. Dann hat man ein faires Wettbewerbsumfeld. Und dann bin ich ziemlich sicher, dass die umweltfreundlichen Technologien sich von selbst durchsetzen.“

 

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