Elektrolyse statt Kohleverbrennung: Umrüstung des Kraftwerks Moorburg zum Hamburg Green Hydrogen Hub 

Neues Leben für ein abgeschaltetes Kraftwerk: Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass am Standort Hamburg-Moorburg eine Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff mit einer Kapazität von bis zu 500 Megawatt wirtschaftlich und technisch umsetzbar wäre. Nun soll die Realisierung erfolgen.

Foto: Medienserver HH Doublevision Moorburg 

Das Kohlekraftwerk Moorburg bewegt seit mehr anderthalb Jahrzehnten Politik und Gesellschaft in der Hansestadt. Die rund drei Milliarden Euro teure Anlage wurde ab 2007 errichtet, 2015 feierlich eingeweiht und keine sechs Jahre später wieder stillgelegt. Um die Möglichkeiten einer Umrüstung zu prüfen, vereinbarte die in Hamburg regierende rot-grüne Koalition die Beauftragung einer entsprechenden Machbarkeitsstudie. Der Fokus der unter Federführung der Behörde für Wirtschaft und Innovation und in enger Zusammenarbeit mit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft vergebenen Untersuchung lag dabei auf der Entwicklung und Bewertung unterschiedlicher Konzepte zur Nachnutzung des Standorts mit der allmählichen Umstellung auf einen CO2-neutralen Betrieb sowie dem Aufbau einer skalierbaren Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff. Umgesetzt wurde die Studie vom Leipziger Beratungsunternehmen Tilia. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Start des Elektrolyseurs 2026 realistisch

Die Studie zeigt auf, dass Teile der bestehenden Kraftwerksinfrastruktur hervorragende Vorrausetzungen zur Realisierung eines Elektrolyseurs zur Produktion von grünem Wasserstoff bieten. Eine Kapazität von bis zu 500 Megawatt sei demnach wirtschaftlich und technisch umsetzbar. Die Umnutzung könne parallel zu einem teilweisen Kraftwerksrückbau erfolgen, eine anschließende Erweiterung wäre möglich. Die im Rahmen des Förderverfahrens der Important Projects of Common European Interest (IPCEI) mögliche Zeitschiene mit einer Inbetriebnahme der Anlage bis 2026 wird als realistisch eingeschätzt. Eine beschleunigte Produktion von grünem Wasserstoff am Standort hänge maßgeblich auch von der weiteren Nutzung bestehender Infrastruktur und der Genehmigungssituation ab.

Befreiung von Steuern und Abgaben

Als Pluspunkte des Standorts werden in der Studie die gute Erreichbarkeit über den Seeweg mit Schiffen der Panamax-Klasse, die gute energiewirtschaftliche Anbindung sowie die nahe gelegenen Industrieanlagen gesehen. Grundsätzlich weisen die Studienverfasser darauf hin, dass eine zielgerichtete Investitionsförderung sowie die Befreiung des in Elektrolyseuren eingesetzten erneuerbaren Stroms von Steuern und Abgaben unabdingbar sei, um den Markthochlauf zu ermöglichen und die Wasserstoffstrategie umsetzen zu können. Erwartet werde, dass der grüne Wasserstoff zuerst im Verkehrsbereich, insbesondere Schwerlastverkehr und Öffentlicher Personennahverkehr, beziehungsweise im stofflichen Einsatz oder in Ofenfeuerungen in der Industrie zum Einsatz kommen wird.

Konsortium für Elektrolyse in Hamburg

„Es ist hocherfreulich, dass auch nach eingehender Prüfung auf Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzbarkeit der Startschuss für den Aufbau einer großen und skalierbaren Elektrolyseanlage am Standort Moorburg erfolgen kann“, so Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation in Hamburg. Dies festige auch die Unterstützung für das Elektrolysekonsortium Hamburg Green Hydrogen Hub (HGHH). Die Investorengruppe bestehend aus Shell, Mitsubishi und den Hamburger Energiewerken sowie Vattenfall als strategischen Partner hat eine entsprechende Absichtserklärung bereits im Januar 2021 unterzeichnet. Neben der Errichtung eines Elektrolyseurs mit skalierbaren 100 Megawatt Leistung ist danach auch die künftige Entwicklung des Standorts zu einem sogenannten „Green Energy Hub“ vorgesehen. Der HGHH ist nach Angaben des Konsortiums eines der ersten Projekte mit dem Ziel, eine gesamte Hafenwirtschaft zu dekarbonisieren.

Neuausrichtung des gesamten Standorts

Der nun erfolgte Startschuss läutet laut Westhagemann die Umstellung des gesamten Standorts auf eine neue, grüne Ausrichtung ein, für die es nun ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln gelte. „Dabei können wir auf eine Vielzahl zusätzlicher Erkenntnisse zurückgreifen, die uns die Machbarkeitsstudie liefert“, so der Wirtschaftssenator. Die Planung eines Elektrolyseurs setzte sich in der Machbarkeitsstudie gegen alternative Überlegungen durch. Zusätzlich in der Studie zur Umnutzung bestehender Kraftwerksteile geprüfte Möglichkeiten wie ein Biomasse-Heizkraftwerk, ein Gas- und Dampfkraftwerk oder ein Hochtemperaturspeicher werden unter Einbezug der technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten zum jetzigen Zeitpunkt vom Senat als nicht sinnvoll angesehen.

Dirket zur Machbarkeitsstudie im Hamburger Transparenzportal

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