„Green Fuels ready“-Label für Heizgeräte: Technik von heute für die Energie von morgen

Alternative Brennstoffe können auch im Gebäudebereich für mehr Klimaschutz sorgen. Das zeigen bereits heute zahlreiche Praxisbeispiele. Hersteller von Brennwertgeräten, Tanks und weiteren Heizungskomponenten haben darum nun ein „Green Fuels Ready“-Produktlabel aus der Taufe gehoben.

Green Fuels Ready Label

Investitionen wollen gut überlegt sein. Mit der Höhe der Kosten steigt daher für gewöhnlich auch die Zahl der Fragen und Zweifel. Niemand möchte bei Ausgaben im vier- oder fünfstelligen Bereich am Ende mit dem Gefühl zurückbleiben, dass eine andere Wahl die bessere gewesen wäre. Gerade bei langfristigen Investitionen spielt Zukunftssicherheit eine wichtige Rolle. Die meisten Menschen wollen schließlich nicht schon nach wenigen Jahren wieder einen neuen Fernseher, eine neue Küche oder eine neue Heizung kaufen.

Produktlabel zeigt: Die Industrie ist bereit

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Zeit vor der Fußballweltmeisterschaft 2006. Damals begann hierzulande die Ära der flachen und hochauflösenden Fernseher. Auf ihnen prangte der Aufkleber „HD ready“: Ein wichtiger Hinweis, denn während die Hardware bereits stand, dauerte es noch einige Zeit, bis die Programme der Fernsehstationen dann tatsächlich hochaufgelöst ausgestrahlt wurden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem neuen „Green Fuels Ready“-Produktlabel der Heizungsindustrie: Auch wenn Green Fuels beziehungsweise Future Fuels noch nicht marktgängig sind – die Technik zur Nutzung dieser Energieträger steht bereit.

Ein Beispiel aus Lorch: In der Kleinstadt im Remstal, rund 40 Kilometer östlich von Stuttgart, ist Familie Kreeb ansässig. Ihr Haus wurde Mitte der 1970er Jahre erbaut und von Anfang an durch eine Ölheizung mit Wärme versorgt. Ein leitungsgebundener Erdgas-Anschluss wäre unverhältnismäßig lang und damit zu kostenintensiv ausgefallen. Eine Situation, die sie sich deutschlandweit außerhalb der großen Städte millionenfach findet: Von den bundesweit rund 5,5 Millionen ölbeheizten Gebäuden befinden sich die meisten in eher ländlichen Regionen, etwa drei Millionen von ihnen liegen abseits der bestehenden Wärme- und Gasnetze.

Wärmepumpe und Brennwertgerät mit Green Fuels

Im Lauf der Jahrzehnte hat Familie Kreeb den Heizkessel zweimal erneuert, zuletzt im März 2021. Seither erfolgt die Wärmeversorgung mit einer Hybridkombination, bestehend aus einem Öl-Brennwertgerät, einer Strom-Wärmepumpe und einem Warmwasserspeicher. Der Bedarf an fossiler Energie konnte dadurch bereits spürbar reduziert werden. Doch damit nicht genug: Denn das neue Brennwertgerät im Haus gehört zu denen, die sich inzwischen mit dem „Green Fuels Ready“-Label schmücken können. Und so erhielten die Kreebs im Rahmen einer derzeit laufenden  Pilotinitiative zum Einsatz alternativer Fuels in Heizungsanlagen rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreshälfte einen Brennstoff, der anteilig aus „Green Fuels“, also einem alternativen Brennstoff auf Basis erneuerbarer Energien besteht.

Die aktuell im Tank verwendete Brennstoffmischung sorgt immerhin bereits für ein Viertel weniger Treibhausgasemissionen. Doch auch der Einsatz eines 100 Prozent paraffinischen flüssigen Energieträgers wäre machbar. Erneuerbare paraffinische Fuels können aus unterschiedlichen Stoffen hergestellt werden. Dazu sind verschiedene Verfahren möglich: die Hydrierung von Pflanzenölen (Hydrotreated Vegetable Oil (HVO), die Hydrierung biogener Rest- und Abfallstoffe (Hydrotreated Used Cooking Oil, kurz: HUCO) oder die Synthetisierung kohlenwasserstoffhaltiger Gase (beispielsweise Fischer-Tropsch-Synthese). Immer wenn der verwendete Kohlenstoff nicht fossiler Herkunft ist, entsteht dabei ein klimaschonender, geschlossener Kohlenstoffkreislauf. Im Falle der Kreebs wird die erneuerbare Komponente vorwiegend aus biogenen Reststoffen und Abfällen hergestellt.

Green Fuels ready Label ermöglichen es auch in älteren Häusern klimafreundlich zu heizen

Von den bundesweit rund 5,5 Millionen ölbeheizten Gebäuden befinden sich die meisten in eher ländlichen Regionen, etwa drei Millionen von ihnen liegen abseits der bestehenden Wärme- und Gasnetze. So auch das Haus der Familie Kreeb in Lorch, einer  Kleinstadt rund 40 Kilometer östlich von Stuttgart. Ihr Haus wurde Mitte der 1970er Jahre erbaut und von Anfang an durch eine Ölheizung mit Wärme versorgt. 

Grenn Fuels ready Label zeigen dem Brennstofflieferanten, welchen Brennstoff er einfüllen darf

Familie Kreebs erhielt im Rahmen der derzeit laufenden Pilotinitiative zum Einsatz alternativer Fuels in Heizungsanlagen rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreshälfte einen Brennstoff, der anteilig aus „Green Fuels“, also einem alternativen Brennstoff auf Basis erneuerbarer Energien besteht.

Green Fuels ready Label kleben auf den Brennwertgeräten verschiedener Hersteller

Im Lauf der Jahrzehnte hat Familie Kreeb den Heizkessel zweimal erneuert, zuletzt im März 2021. Seither erfolgt die Wärmeversorgung mit einer Hybridkombination, bestehend aus einem Öl-Brennwertgerät, einer Strom-Wärmepumpe und einem Warmwasserspeicher. Der Bedarf an fossiler Energie konnte dadurch bereits spürbar reduziert werden. Den neuen Heizkessel ziert das „Green Fuels ready“-Label

Green Fuels Ready macht konventionelle Heiztechnik auch für einen Neubau interessant

Ein eher ungewöhnlicher Fall ist das Haus der Familie Ruppert in einem Vorort von Marburg, denn es ist nagelneu. In Neubauten kommen flüssige Energieträger heutzutage nicht mehr allzu oft vor.

Green Fuels ready Label kennzeichnet auch geeignete Brennstofftanks

Familie Ruppert hat sich für eine hybride Lösung entschieden: Darin eingebunden sind eine leitungsunabhängige „Öl“-Brennwertheizung, eine kompakte Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage inklusive Solarstromspeicher und ein wassergeführter Holzofen. Reichen die verschiedenen erneuerbaren Energien nicht aus, greift das System automatisch auf den gespeicherten flüssigen Energieträger zurück.

Green Fuels ready Label für Brennwertgerät für flüssige Brennstoffe

Wer beim Kauf von Produkten wie zum Beispiel einem Heizgerät, einem Tank und anderen Komponenten einer Ölanlage darauf achtet, dass diese das neue „Green Fuels ready“ Label tragen, stellt damit sicher, dass diese Produkte für treibhausgasneutrale flüssige Brennstoffe (=„Green Fuels“) und beliebige Mischungen mit fossilen flüssigen Brennstoffen geeignet sind.

„Green Fuels Ready“ als Signal für die Kunden

Das neue „Green Fuels Ready“-Label wurde vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in Zusammenarbeit mit dem en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie en2x kreiert. Die dahinterstehende Kernaussage: Wer beim Kauf von Produkten wie zum Beispiel einem Heizgerät, einem Tank und anderen Komponenten einer Ölanlage darauf achtet, dass diese das neue Label tragen, stellt damit sicher, dass diese Produkte für treibhausgasneutrale flüssige Brennstoffe (=„Green Fuels“) und beliebige Mischungen mit fossilen flüssigen Brennstoffen geeignet sind. Die Bekanntgabe des neuen Labels ist Bestandteil der neuen, grundlegend aktualisierten Version des vom BDH herausgegebenen Infoblatts Nummer 50, das sich in erster Linie an Heizungsexperten und andere Fachleute wie beispielsweise Energiehändler richtet. Es berücksichtigt erstmals die aktualisierten beziehungsweise neuen Normenteile der Heizölnorm DIN 51603 und geht damit auch auf rein paraffinische Brennstoffe ein.

Noch sind die neuen Fuels nicht standardmäßig im Portfolio der Energiehändler verfügbar. Um ihren künftigen Einsatz vorzubereiten, hat en2x eine Pilotinitiative ins Leben gerufen. Dabei ist bereits jetzt eine breite Palette an Objekten zusammengekommen. So etwa das Eigenheim der Familie Seidel aus der niedersächsischen Gemeinde Wedemark: In den 1960er Jahren ursprünglich als Doppelhaus errichtet, wird es seit einigen Jahren Schritt für Schritt modernisiert und dabei auch energetisch optimiert. Das modernisierte Heizgerät verringert durch eine bessere Ausnutzung des Energieinhalts den Brennstoffbedarf und damit die Treibhausgasemissionen. Die neue Brennstoffkombination sorgt dank geschlossener Kohlenstoffkreisläufe für weitere Treibhausgaseinsparungen.

Brennwertgerät als Teil eines multivalenten Energiesystems

Ein eher ungewöhnlicher Fall ist das Haus der Familie Ruppert in einem Vorort von Marburg, denn es ist nagelneu. In Neubauten kommen flüssige Energieträger heutzutage nicht mehr allzu oft vor. Doch in diesem Fall ist der Eigentümer direkt vom Fach und selbst bei einem führenden Heiztechnikhersteller tätig. Mit dem aktuellen Stand der Technik bestens vertraut, hat er sich hinsichtlich der Energieversorgung es Hauses für eine hybride Lösung entschieden. Darin eingebunden sind eine leitungsunabhängige „Öl“-Brennwertheizung, eine kompakte Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage inklusive Solarstromspeicher und ein wassergeführter Holzofen. Die optimal gedämmte Gebäudehülle sorgt für geringste Transmissionswärmeverluste. Eine Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung minimiert die Lüftungswärmeverluste. Reichen die verschiedenen erneuerbaren Energien nicht aus, greift das System automatisch auf den gespeicherten flüssigen Energieträger zurück. Der nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf des Neubaus beträgt somit lediglich 22 kWh/(m²a). Das Brennwertgerät im Hause Ruppert ist selbstverständlich „Green Fuels ready“.

„Autarkie, Effizienz und Nachhaltigkeit waren drei wesentliche Aspekte bei der Auswahl der Heizungsanlage“, berichtet Florian Ruppert dazu. „Durch die intelligente Regelung von drei Wärmeerzeugern ist das System in der Lage, in Abhängigkeit von Energiepreisen und Strom- bzw. Öl-Mix zwischen einer ökonomischen oder ökologischen Betriebsweise zu entscheiden.“ So könnten Energiepreisschwankungen ausgeglichen und in Kombination mit der Photovoltaikanlage ein hoher Autarkiegrad erreicht werden.

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