Grünes Heizöl im Praxistest

Deutschlandweit gibt es rund 5,5 Millionen Ölheizungen, die knapp ein Viertel der Bevölkerung mit Wärme versorgen. Klimapolitisch ist das eine Herausforderung, denn drei Millionen der entsprechenden Gebäude liegen abseits der Wärme- und Gasnetze. Für einen Umstieg auf andere Technologien liegen die technischen und finanziellen Hürden oftmals zu hoch. Solch ein Systemwechsel ist auch nicht zwingend, denn auch mit einer modernen Öl-Brennwertheizung lassen sich die Klimaziele erreichen. Eine wichtige Rolle könnten dabei Future Fuels spielen. Das zeigen entsprechende Praxistests mit anteilig „grünem“ Heizöl. Für eine neue Pilotinitiative werden jetzt noch Teilnehmer gesucht.

Collage Ölheizung Modellvorhaben future:fuels@work

Dass es schrittweise möglich ist, die CO2-Emissionen von Gebäuden mit einer Ölheizung den Klimazielen entsprechend zu reduzieren hat bereits 2019 eine Studie des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG) gezeigt:

  • Durch Heizungsmodernisierungen mit Brennwerttechnik und Maßnahmen an der Gebäudehülle kann die Energieeffizienz bereits stark verbessert werden.
  • Ein weiterer Schritt ist die direkte Einbindung erneuerbarer Energien in Form von Hybridheizungen. So lässt sich der Brennstoffbedarf bereits deutlich reduzieren.
  • Für den verbleibenden geringen Bedarf könnten dann alternative Brennstoffe genutzt werden: Grünes Heizöl ersetzt zunehmend fossiles Heizöl.

Perspektiven mit Ölheizungen für den ländlichen Raum

Dass dies funktioniert, zeigen Praxistests mit grünem Heizöl, die IWO in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Hauseigentümern begleitet hat. Zum Beispiel in Bastorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, in Baumholder in der Pfalz, oder in Wolfhagen in Nordhessen, wo ein Innovationshaus entstanden ist, das beispielhaft zeigt, wie die Energiewende im ländlichen Raum umgesetzt werden kann. Denn abseits der Städte befinden sich deutschlandweit die meisten Ölheizungen.

„Von 2017 bis 2020 haben wir bereits 61.000 Liter treibhausgasreduziertes Heizöl an 13 Ein- und Zweifamilienhäuser mit Öl-Brennwertgeräten ausgeliefert. Der Betrieb hat sich dabei als ebenso zuverlässig erwiesen wie mit klassischem Heizöl“, berichtet IWO-Geschäftsführer Adrian Willig. Zum Einsatz kamen und kommen dabei paraffinische Brennstoffe aus hydrierten Reststoffen, sogenannte abfallbasierte Biobrennstoffen der zweiten Generation, deren Herstellung nicht in Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau steht.

Grüneres Heizöl für Modellvorhaben

Auf Grundlage dieser Ergebnisse hat IWO seine Aktivitäten nun deutlich ausgeweitet: Beispielsweise werden zusätzlich 21 Heizungsanlagen über mindestens zwei Heizperioden mit alternativem Brennstoff betrieben – eine gemeinsame Aktion mit verschiedenen Heizgeräte- und Tankherstellern, die im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) organisiert sind.

Dabei kommt eine sogenannte R33-Brennstoffkombination zum Einsatz. Sie besteht zu 26 Prozent aus hydrierten Reststoffen, wie Altfetten oder Pflanzen- und Holzabfällen, sowie zu sieben Prozent aus veresterten Bioölen, Fatty Acid Methyl Ester, kurz: FAME. Sollte sich auch diese Kombination in der Praxis bewähren, würde das die Bandbreite an ölheizungsgeeigneten, treibhausgasreduzierten flüssigen Energieträgern erweitern.

Zudem soll damit auch der regulatorische Rahmen für den Einsatz im Wärmemarkt vorbereitet werden. Der Praxistest ist eng vernetzt mit einem länderübergreifenden Projekt des europäischen Dachverbands der Heizungsindustrie EHI (Association of the European Heating Industry) und des europäischen Heizölverbands Eurofuel.

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Pilotinitiative „future:fuels@work“ sucht Haushalte mit Ölheizung

Ein weiteres IWO-Projekt ist die jüngst gestartete branchenübergreifende Pilotinitiative „future:fuels@work“.  An dieser beteiligen sich führende Hersteller von Heizgeräten, Tanksystemen und Komponenten ebenso wie Marktpartner aus dem Bereich Tankservice und Heizölhandel. Mit „future:fuels@work“ sollen sich Hauseigentümer, aber auch Fachleute, insbesondere das Heizungs- und Schornsteinfegerhandwerk, von der Praxistauglichkeit alternativer Brennstoffe praxisnah überzeugen können.

Daher werden ab sofort Haushalte gesucht, die eine Modernisierung mit Öl-Brennwerttechnik planen oder gerade umsetzen – und im Anschluss daran treibhausgasreduziertes Heizöl einsetzen möchten. Diese Haushalte können sich um die Teilnahme an der Pilotinitiative bewerben.

Biobasierte Reststoffe und E-Fuels statt Heizöl

Der Vorteil für die von der Jury ausgewählten Hauseigentümer: Mit „future:fuels@work“ gibt es als erste Tankfüllung eine treibhausgasreduzierte Mischung aus einer nahezu CO2-neutralen Brennstoff-Komponente (Anteil: 33 Prozent) und Premium-Heizöl (Anteil: 67 Prozent) zum Vorzugspreis. Berechnet wird der bundesweite Niedrigstpreis von Premiumheizöl der vergangenen zwölf Monate ab Bestellzeitpunkt gemäß dem Onlineportal tecson.de. Den Mehrpreis für den neuen innovativen Brennstoff trägt die Initiative.

Die nahezu klimaneutrale Komponente des Brennstoffs wird auch hier aus biobasierten Reststoffen gewonnen. „Geplant ist in einer späteren Phase zudem auch die Beimischung von synthetischen Brennstoffen auf Basis von grünem Wasserstoff und recyceltem CO2, sogenannten E-Fuels“, berichtet Adrian Willig. Die eingesetzten Mischungen entsprechen dabei der aktuellen Heizölnorm und wurden von den teilnehmenden Herstellern für den Einsatz freigegeben. Begleitet wird die Initiative von Informations- und Schulungsaktivitäten, die auch den Demoeinsatz von alternativem Heizöl in Ausbildungseinrichtungen vorsehen. Mehr Informationen stellt das IWO auf www.zukunftsheizen.de zur Verfügung.

 

1 Kommentar

  1. Ebner Deml Marianne

    Wie slnd die kosten für 4 Familienhaus ca 400 qm und wie komm ich an den Brennstoff in umkreis von Staubing Niederbayern und gibts es da schon langfristige Erfahrungen?
    Danke

    Antworten

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