IW-Gutachten: PtX kann die europäische Wirtschaft stärken

Ein Hochlauf der Herstellung strombasierter Energieträger könnte in Europa für eine zusätzliche jährliche Wertschöpfung von 80 Milliarden Euro und 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze sorgen. Das ist das Ergebnis eines neuen Gutachtens des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

PtX in Europa PV- und Windanlagen

Bild: Michael Van Haney – stock.adobe.com

Kraft- und Brennstoffe, die mit Power-to-X (PtX) aus grünem Strom gewonnen werden, können gemeinsam mit nachhaltigen Biokraftstoffen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Treibhausgasemissionen weltweit zu reduzieren. Sie eignen sich aus deutscher und europäischer Sicht insbesondere hervorragend für den notwendigen Import erneuerbarer Energie. Denn weltweit gibt es viele Orte, an denen Windkraft- und Photovoltaikanlagen deutlich effektiver und im größeren Maßstab betrieben werden können als im dicht besiedelten Europa mit seinem zum Teil sehr wechselhaften Wetter. Dazu gehören zum Beispiel die MENA-Region, Australien und Chile. Für diese künftigen Erzeugerländer – gerade auch jene, die bislang noch fossile Brennstoffe exportieren – ergeben sich daraus attraktive wirtschaftliche Perspektiven. 

Können europäische Staaten von einer globalen PtX-Wirtschaft profitieren?

Diese Frage beantwortet das IW Köln eindeutig mit „Ja“. Denn für die Produktion synthetischer Kraftstoffe seien umfangreiche Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom und dessen Umwandlung in flüssige Energieträger notwendig. Davon könnten auch europäische Anlagenhersteller profitieren. „Die EU hat die Chance, sich als führender Anbieter der zukunftsträchtigen, nachhaltigen PtX-Technologien zu positionieren. Der Hochlauf der Produktion von strombasierten Energieträgern hat ein enormes Potenzial sowohl für die europäische Wirtschaft als auch für die Produktionsstandorte“, erklärt Dr. Thilo Schaefer, Leiter des Kompetenzfelds Umwelt, Energie, Infrastruktur des IW und einer der Autoren des Gutachtens „Synthetische Kraftstoffe: Potenziale für Europa“.

Positive ökonomische Effekte erwartet

Folgende Potenziale hat das IW in seiner Untersuchung für die EU und Großbritannien identifiziert:

  • 80 Milliarden Euro zusätzliche jährliche Wertschöpfung können für die europäische Wirtschaft durch die Produktion und den Export von PtX-Anlagen in die außereuropäischen wind- und sonnenreichen Potenzialregionen entstehen.
  • 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze können durch die Produktion und den Export von PtX-Anlagen in Europa geschaffen werden. Diese entstehen mit dem erwartbaren Produktionsvolumen im Maschinen- und Anlagenbau, durch deren Nachfrage nach Vorleistungsgütern sowie aufgrund der zusätzlichen Nachfrage nach Konsumgütern durch das gesteigerte Einkommen der dort Beschäftigten.
  • Mehr als 340.000 neue hochproduktive Arbeitsplätze können in einem Land mit hohen Potenzialen für die Gewinnung erneuerbarer Energien entstehen unter der Annahme, dass dieses nur rund zwei Prozent des weltweiten Bedarfs an synthetischen Energieträgern produziert.
PtX Europa Grafik Beschäftigungspotenziale

Keine Zeit für PtX in Europa zu verlieren

Die Ergebnisse des Gutachtens bestätigen frühere Untersuchungen, die die ökomischen Effekte eines globalen PtX-Marktes für Deutschland untersucht hatten. Jedoch sei ein solch positives Szenario kein Selbstläufer. Denn obwohl sich der Weltmarkt für Elektrolyseure zur Erzeugung von Wasserstoff in den vergangenen 20 Jahren bereits verdoppelt hat, fand dieses Wachstum bislang vor allem außerhalb Europas statt. Damit sich das ändere, müssten die entsprechenden Investitionen so bald wie möglich getätigt werden.

Politik ist gefordert

In Auftrag gegeben wurde das Gutachten des IW Köln vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO), MEW Mittelständische Energiewirtschaft sowie dem Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen UNITI. „Hocheffiziente Technologien und zunehmend CO2-neutrale Kraft- und Brennstoffe in der Mobilität und der Wärmeversorgung sind unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. Die Technologien für den Einstieg in die großindustrielle Produktion von PtX stehen bereit. Jetzt braucht es technologieoffene politische Rahmenbedingungen, die eine verlässliche Angebots- und Nachfrageentwicklung in einem internationalen Marktumfeld zulassen“, so IWO-Geschäftsführer Adrian Willig zu den Ergebnissen. Dazu zählen unter anderem die Anrechenbarkeit klimaneutraler Kraftstoffe bei den CO2-Flottengrenzwerten der EU sowie eine Neuausrichtung der Energiesteuer, die fossile CO2-Emissionen zur Bemessungsgrundlage macht.

 

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