Die Mischung macht’s: Drop-in-fähiger Biokraftstoff

Um die CO2-Einsparziele im Verkehrssektor zu erreichen, sind erhebliche Anstrengungen nötig. Auch wenn die E-Mobilität als Lösung in aller Munde ist, wird doch immer deutlicher, dass wir zusätzliche Optionen brauchen, um den Treibhausgasausstoß schnell und nachhaltig zu senken. Eine Option: biobasierte flüssige Kraftstoffe der zweiten Generation, die sich zunächst mit heutigen Kraftstoffen mischen lassen. Daran arbeitet ein breites Konsortium aus sechs verschiedenen EU-Ländern im Projekt REDIFUEL.

Eines vorweg: Bei Biobrennstoffen der zweiten Generation wird ausschließlich Biomasse verwendet, die keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion oder zu deren Anbauflächen bildet. Das können Stroh oder andere Pflanzenabfälle wie Restholz sein. Die „Tank-Teller-Diskussion“ spielt also keine Rolle mehr.

Das übergeordnete Ziel von REDIFUEL ist es, aus verschiedenen biogenen Rohstoffen einen erneuerbaren Diesel-Kraftstoff herzustellen, der mit dem fossilen Diesel kompatibel ist. In diesem Fall sprechen die Forscher von „Drop-in“-Fähigkeit. Das bedeutet, der Biodiesel und der konventionelle Diesel können in jedem Verhältnis gemischt werden und dann wie gehabt getankt werden – er funktioniert in allen herkömmlichen Fahrzeugen.

Die Projektpartner setzen mehrere Schwerpunkte: Zunächst müssen neue Technologien und Prozesse für die Herstellung erneuerbarer Kraftstoffe entwickelt werden. Das Synthesegas, das aus den biogenen Rohstoffen gewonnen wird, muss erst zu einem Rohprodukt verflüssigt und anschließend zu einem qualitativ hochwertigen Kraftstoff weiterverarbeitet werden. Bereits bekannte Prozessschritte, wie etwa die Fischer-Tropsch-Synthese, ein großtechnisches Verfahren zur Umwandlung von Synthesegas in flüssige Kohlenwasserstoffe, sollen hinsichtlich ihrer Effizienz noch verbessert werden. Wichtiges Etappenziel ist die Entwicklung eines Designs für eine kleine und eine mittelgroße Produktionsanlage, in dem der Diesel-kompatible, normgerechte Biokraftstoff hergestellt werden kann.

Produktionskosten und gesellschaftliche Aspekte fest im Blick

Das Projekt-Konsortium peilt Produktionskosten von 0,90 bis 1,00 Euro pro Liter für den erneuerbaren Diesel an, damit ein Wettbewerb mit konventionellen Kraftstoffen überhaupt möglich wird. Zudem soll der Kraftstoff über die gewohnt hohe Energiedichte von Diesel verfügen und bei den Emissionswerten sogar besser abschneiden als das fossile Vorbild – Stichwort „local emissions“. Vorgesehen ist im Rahmen des Projektes auch ein umfassender Leistungscheck für die entwickelten Technologien. „From well to wheel“ – oder zu Deutsch: von der (Rohstoff-)Quelle bis zum Rad. Dabei spielen Umwelt- aber auch Gesellschaftsaspekte eine besondere Rolle.

Warum Drop-in?

Damit ein alternativer flüssiger Kraftstoff sich am Markt durchsetzen kann, ist nicht nur der konkurrenzfähige Preis entscheidend. Er muss auch in der vorhandenen Anwendungstechnik, also den heutigen Motoren, einsetzbar sein, ohne dass diese großartig umgerüstet oder modifiziert werden müssen. Das erhöht die Chance auf eine breite Akzeptanz: Klimaschutz wird möglich, ohne Versorgungswege und Anwendungstechnik kostenintensiv umbauen zu müssen.
Der Ausbau der Produktionskapazitäten bei alternativen Kraft- und Brennstoffen – ob moderne Biofuels oder E-Fuels – wird noch dauern. Wenn die Drop-in-Fähigkeit sichergestellt ist, können aber selbst kleine verfügbare Mengen sofort genutzt werden. Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen kann also sofort beginnen und dann sukzessive mit wachsenden Anteilen alternativer Fuels gesteigert werden, bis diese die fossilen Fuels langfristig vollständig ersetzen.

Was sind FutureFuels und wofür brauchen wir sie?

Flüssige Energieträger, die auf Basis von erneuerbarem Strom und einer regenerativen Kohlenstoffquelle gewonnen werden, haben das Zeug zum Klimaschutz beizutragen. Wie das geht, sehen Sie in unserem animierten Video.

1 Kommentar

  1. Chris Pederson

    Der Beitrag zum Thema Kraftstoffe ist sehr hilfreich. Ich wollte besser informiert sein, denn ich weiß sehr wenig darüber. Nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, weiß ich genug über dieses Thema.

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