Kerosin aus Abfällen: Erste Fabrik geplant

Einige Kraftstoff-Projekte wagen bereits den Schritt aus dem Labor heraus: Im Osten Englands soll jetzt eine Fabrik zur Herstellung treibhausgasreduzierten Kerosins entstehen. Es wäre die europaweit erste ihrer Art. 

Fischer-Tropsch-Reaktor. Foto: british airways

Gerade im Flugverkehr sind flüssige Energieträger kaum zu ersetzen. Batterien wären schlichtweg zu groß und zu schwer, um sie in Jets einbauen zu können. Treibhausgasreduzierte Flugkraftstoffe haben daher großes Potenzial. Dabei sind verschiedene Herstellungspfade möglich. In Großbritannien setzt ein Joint Venture darauf, aus Haus- und Gewerbeabfällen treibhausgasreduziertes Kerosin zu produzieren. Dabei soll jetzt der Schritt in die kommerzielle Nutzung erfolgen. Der Planungsantrag für eine entsprechende erste Fabrik wurde bereits eingereicht: Der Baubeginn ist für 2021 geplant, der Betriebsstart könnte 2024 erfolgen.

Fischer-Tropsch-Reaktoren als Herzstück

Die Anlage soll bei Immingham in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire entstehen und jährlich eine halbe Million Tonnen nicht recycelbarer Abfälle nutzen, die ansonsten auf Deponien oder in der Müllverbrennung landen würden. Dazu zählen zum Beispiel Mehlverpackungen, Windeln oder Einweg-Kaffeebecher. Herzstück der Anlage werden mit einem speziellen Katalysator versehene Mikrokanal-Fischer-Tropsch-Reaktoren sein. Entwickelt wurde diese Technologie vom Unternehmen Velocys: Sie wandelt ein Gasgemisch aus Kohlenstoff und Wasserstoff in flüssige Kohlenwasserstoffe um, die zur Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe benötigt werden. So wird ein Energieträger gewonnen, der die Treibhausgasemissionen gegenüber konventionellem fossilen Kerosin um 70 Prozent senkt. Das entspricht den jährlichen Emissionen von bis zu 40.000 Autos im Straßenverkehr.

Verwendung auch im Straßenverkehr geplant

Der Kraftstoff soll auch dabei helfen, die Luftqualität zu verbessern, da der Ruß aus den Flugzeugtriebwerksabgasen nach Herstellerangaben um bis zu 90 Prozent, der Ausstoß von Schwefeloxiden sogar um fast 100 Prozent reduziert werden kann. Die Fabrik selbst wird von der Velocys-Tochter Altalto Immingham Limited errichtet – einem Joint Venture, bei dem der Energiekonzern Shell und die Fluggesellschaft British Airways als Partner und Co-Investoren aktiv sind. Die Airline beabsichtigt, den in der Anlage produzierten Düsentreibstoff für die Verwendung in ihren Flugzeugen zu kaufen. Doch nicht nur in der Luft wird der in Immingham produzierte flüssige Energieträger Verwendung finden: Shell wird nach eigenen Angaben sowohl Kerosin als auch Kraftstoffe zum Einsatz im Straßenverkehr erwerben.

 

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