OMV setzt auf Kreislaufwirtschaft

Die OMV, das internationale, integrierte Öl-, Gas- und Chemieunternehmen mit Hauptsitz in Wien, Österreich stellt sich neu auf, um das europäische Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Das Unternehmen setzt dabei verstärkt auf die Produktion von Chemikalien und Materialien mit einem starken Fokus auf Lösungen für die Kreislaufwirtschaft.

OMV-Raffinierie verarbeitet Plastikmüll zu Öl

Die OMV AG hat sich vorgenommen, bis 2050 in mehreren Schritten zu einem klimaneutralen Unternehmen zu werden. Der Geschäftsbereich Chemicals & Materials soll dabei der Wachstumstreiber sein und erheblich gestärkt, erweitert und diversifiziert werden. Das erklärte Ziel: eine weltweit führende Position bei Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Für den Geschäftsbereich Refining & Marketing wird der Fokus auf nachhaltige Kraftstoffe, Rohstoffe und Mobilitätslösungen gelegt. Im Einklang mit dem Netto-Null-Ziel, will die OMV bis 2050 die Öl- und Gasproduktion für die energetische Nutzung vollständig einstellen. Parallel dazu werden im Geschäftsbereich Exploration & Production vorhandene Vermögenswerte und Fähigkeiten in CO2-arme Geschäftsfelder investiert.

OMV-CEO Alfred Stern, Kreuilaufwirtschaft als Zukunftsvision

„Wenn wir den Lebensstandard überall auf der Welt erhalten und ausbauen und gleichzeitig das Überleben unserer Gesellschaft sichern wollen, müssen wir zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise übergehen. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, Grundlagen für ein nachhaltiges Leben neu zu erfinden.“

Alfred Stern, Vorstandvorsitzender und CEO, OMV

Kunststoffproduktion und Kreislaufwirtschaft

OMV hat die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihrer Strategie gestellt und setzt dabei vor allem auf Chemikalien und Kunststoffe, vorrangig auf Polyolefine. Sie sind das größte Marktsegment bei der Herstellung von Kunststoffprodukten und bleiben für verschiedene Branchen wie Energie, Automobil, Verpackung, Bau und Gesundheitswesen unverzichtbar. Schon heute ist OMV ein großer Kunststoffproduzent und bedient damit ein wachsendes Bedürfnis der Menschen nach Kunststoffprodukten. Dieser Bedarf soll künftig nachhaltig gedeckt werden.

Gelingen soll das durch die Umstellung der Wertschöpfungskette von einem linearen auf ein Kreislaufmodell. Dank der Integration von chemischem Recycling, Raffinerien und petrochemischen Anlagen ist die OMV in allen Stufen der Wertschöpfungskette beteiligt. Patentierte Technologien beim chemischen Recycling sowie standardmäßige und fortschrittliche Technologien beim mechanischen Recycling sollen die OMV dabei unterstützen, ein weltweit führender Anbieter von Kreislauflösungen zu werden.

„Der Wandel ergibt sich aus der Transformation unserer Wertschöpfungskette, weg von einem linearen Geschäftsmodell, hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Kohlenwasserstoffe sind wertvolle Rohstoffe und das Ziel muss es sein, sie im Kreislauf zu halten. Das bedeutet, dass wir sie recyceln und wiederverwenden müssen, anstatt sie zu produzieren, zu verbrauchen und dann zu entsorgen. Wir arbeiten an mehreren Fronten gleichzeitig. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir Kunststoffabfälle nicht verbrennen oder deponieren, sondern sie in unseren chemischen und mechanischen Recyclinganlagen wieder in Rohstoffe für die Kunststoffproduktion umwandeln“, erläutert Alfred Stern.

Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Alfred Stern auf dem OMV-Unternehmensblog.

Ein Beispiel ist die unternehmenseigene ReOil-Anlage in der Raffinerie in Schwechat in Österreich. Dort werden gebrauchte Kunststoffe in synthetisches Rohöl und petrochemisches Rohmaterial für die Produktion von Neukunststoffen gewandelt. Im branchenübergreifenden Projekt C2PAT (Carbon to Product Austria) wird CO2 mittels Carbon Capture & Utilization als Rohstoff für die Kunststoffproduktion recycelt. Ein erstes Etappenziel ist, dass bis 2030 bis zu 40 Prozent der in Europa produzierten Kunststoffe bei der OMV aus nachwachsenden oder nachhaltigen Rohstoffen hergestellt werden.

Ein Liter Rohöl, das aus Plastikmüll gewonnen wurde

Nachhaltige Kraftstoffe und Mobilitätsangebote

Durch die sinkende Nachfrage wird der Raffineriedurchsatz für fossile Produkte deutlich zurückgehen, während der Anteil erneuerbarer Kraftstoffe und nachhaltiger chemischer Rohstoffe kontinuierlich zunehmen wird. Die OMV will ihre Raffinerien dementsprechend ausrichten und sich zunehmend von fossilen Rohstoffen abwenden. Es ist geplant, die Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen und nachhaltigen chemischen Rohstoffen bis 2030 auf 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr zu steigern, wobei fast die Hälfte der Mengen auf nachhaltige Flugzeugtreibstoffe (Sustainable Aviation Fuels, kurz: SAF) entfällt.

Abnehmer haben sich bereits gefunden: Nach der Unterzeichnung des Liefervertrags Ende 2021 lieferte die OMV das erste nachhaltige Kerosin im März 2022 an den Flughafen Wien zur Betankung von Flugzeugen der Austrian Airlines. OMV plant, den Absatz von SAF aus eigener Produktion von ca. 2.000 Tonnen in diesem Jahr auf mehr als 700.000 Tonnen pro Jahr bis 2030 zu steigern.

Martijn van Koten, OMV Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Refining: „Nachhaltige Flugkraftstoffe sind eine Kerntechnologie zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Luftverkehr und zeigen das enorme Innovationspotenzial der Branche. Die Produktion von SAF in unserer Raffinerie Schwechat kann nicht nur durch die Verwendung regional bezogener nachhaltiger Rohstoffe, sondern auch durch die Nutzung der bestehenden Infrastruktur für Produktion, Lagerung und Betankung am Flughafen Wien als hocheffizient angesehen werden.“

SAF wird bei den Österreichern durch die gemeinsame Verarbeitung nachhaltiger und regionaler Rohstoffe, insbesondere Altspeiseöl, hergestellt. Im Vergleich zu herkömmlichem Flugbenzin liefert nachhaltiger Flugkraftstoff über den gesamten Lebenszyklus eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen von mehr als 80 Prozent.
Weniger fossile Energien, mehr nachhaltige Energielösungen

Zusätzlich will die OMV den Non-Fuel-Business-Bereich weiter ausbauen, weg von konventionellen Kraftstoffen und hin zu Ladestationen für E-Fahrzeuge sowie Wasserstoff. Ein Portfolio nachhaltiger Premium-Kraftstoffe auf Basis von biobasierten und synthetischen Kraftstoffen soll den Rückgang bei den fossilen Kraftstoffen kompensieren. Insbesondere am Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität will der österreichische Konzern mitwirken: Mit Investitionen von insgesamt mehr als 400 Mio. Euro bis 2030 sollen in Mittel- und Osteuropa mehr als 2.000 E-Ladestationen an Tankstellen und Autobahnen und Transitstrecken sowie rund 17.000 Wallbox-Ladestationen für Firmenstandorte errichtet werden.

OMV-Tankstelle

Die Rohölproduktion will die OMV bis 2030 schrittweise um etwa 30 Prozent, die Erdgasproduktion um etwa 15 Prozent reduzieren. Bis 2050 soll die Produktion von Öl und Gas zur energetischen Nutzung vollständig eingestellt werden.
Zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen wird die OMV zugleich in die Entwicklung von CO2-armen Geschäftsfeldern investieren, vor allem in die Geothermie und die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Parallel soll das Solar- und Windkraftgeschäft ausgebaut und Möglichkeiten im Bereich Gas- und Wasserstoffspeicherung geprüft werden.

Kooperation mit Politik und Gesellschaft

Neben der Fähigkeit des Unternehmens selbst, die Ziele zu verwirklichen, brauche es auch geeignete politische Rahmenbedingungen und ein entsprechendes Marktumfeld, betont CEO Alfred Stern. „Gerade im Bereich Klimaschutz wird es auch eines entsprechenden regulatorischen Rahmens bedürfen, um neue Technologien rechtzeitig voranzubringen“, so Stern weiter. Wichtig sei es aus seiner Sicht aber auch, das gesamtgesellschaftliche Denken und Handeln zu verändern sowie die Zusammenarbeit innerhalb der Wirtschaft, mit Partnerunternehmen und anderen Branchenteilnehmern, aber auch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu stärken. Und schließlich müssten alle gemeinsam dafür sorgen, dass nachhaltige Produkte ausreichend nachgefragt werden.

Fotos: OMV

Weitere Themen

Podcast Folge 11: Ein Wasserstoffnetz für Deutschland  – Jetzt gilt´s!

Podcast Folge 11: Ein Wasserstoffnetz für Deutschland – Jetzt gilt´s!

Wir brauchen Alternativen zu Erdöl und Erdgas. Eine Möglichkeit ist grüner Wasserstoff. Doch woher bekommen wir den? Wie kommt der Wasserstoff dorthin, wo er gebraucht wird? Wie kann eine nachhaltige Infrastruktur aufgebaut werden? Professor Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der TU Hamburg gibt Antworten.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.